Exploratives lauschen TEIL2: JiwaMusic – die Web-Jukebox

By sidl

Egal, ob ich ein Musikalbum in Form einer CD oder durch einen MP3-Download erstehen will (so richtig legal mit Geld bezahlen und allem), als schlauer Musikliebhaber kaufe ich fast nur nach ausgibigem Probehören. Vertrauenskäufe sind etwas für eingefleischte Fans und führen oft zu Enttäuschungen, weil Band X sich gerade weiterentwickeln oder zurück zu ihren Wurzeln begeben will. Probehören kann man wie in analogen Zeiten im Laden. Und so steht man dann mit einem etwas streng riechenden Riesenkopfhörer in der Frisur wie Mickey Mouse im Jecklin zwischen jenen, die nur eine ganz besondere Art von Nischen-Jazz oder kantonesische Reisernte-Gesänge hören. Als Alternative kann man sich in den diversen Online-Shops die ersten 30 Sekunden eines Songs streamen lassen (oft besonders aufschlussreich bei Songs auf Live-Alben: Thaaaaaankyou Tokioooooooooo. Our next song is from our new album…. Kreischklatschjoooooooooool…. 30sek um).

Eine weitere attraktive Möglichkeit bietet seit Mitte Mai ein kostenloser französischer Online-Service: JiwaMusic. Auf JiwaMusic.com kann man Songtitel oder Künstler suchen und die einzelne Stücke zu einer Playlist zusammenstellen. Die Songs werden in sehr guter Qualität über einen in die Seite integrierten Player abgespielt. Persönliche Playlists können in einem Userprofil abgespeichert werden. Die Registrierung eines Profils ist jedoch nicht nötig, um den Dienst zu nutzen. Jiwa soll auch nach der Beta-Phase kostenlos benutzt werden können. Finanziert wird wie gehabt mit Bannerwerbung und Werbepartnern wie Amazon (näheres dazu im Interview mit Jean Marc Plueger von Sylvie Krstulovic). Zur Zeit ist das praktische klick&buy-icon aber noch nicht funktionstüchtig.

Der integrierte Jiwa-Player ist kein Flashplayer, sondern beruht auf Ajax (ich hoffe, ich erzähle hier keinen Mist… das sind höhere Sphären, wo die Luft für mich dünn wird wie Eis [dafür gedeihen Stilblühten umso besser]). Das heisst jetzt nicht, dass man mit dem Player Fenster putzen kann… Ajax ist eine noch ziemlich neue Webtechnologie, die … bliblablu…. jedenfalls ist das insofern besonders interessant, weil man diesen Player – Ajax sei’s gedankt – anscheinend einfacher in einen Blog oder eine Website integrieren kann. Wie man dieses Kunststück vollbringt, wird mir hoffentlich mal jemand genauer erklären. Die Sache eilt aber nicht, denn laut Azzis Haddad (12. Mai) ist in der Beta-Phase die Integration des Players nur für wenige ausgewählte Bloggern möglich.

Wie LastFM stellt auch JiwaMusic.com eine „social music-platform“ dar, die mit Musikempfehlungen auf Grundlage des Hörverhaltens ihrer User funktioniert. Jedoch ist Jiwa kein Webradio wie LastFM sondern eher eine Web-Jukebox. Indem die User Ihre Profile öffentlich zugänglich machen, können sich andere Benutzer an deren Playlists orientieren, um neue Musik zu entdecken. Playlists von Usern mit gefälligem Musikgeschmack können auch abonniert werden.

Eine weitere Funktion, die JiwaMusic bietet: Künstler können Ihre Eigenkompositionen eigenständig auf die Plattform laden. Dieses Feature könnte jedoch zu Verstössen gegen das Copyright führen… und damit zu grossem Ärger und Kravall mit den Schergen der Musikindustrie. Zwar steht in den Nutzungsbedingungen, dass nur Werke auf den Server geladen dürfen, für die man die Rechte besitzt, doch

  • erstens sind diese nur in englischer Sprache verfasst,
  • zweitens sind die nationalen und internationalen Regelungen zum Schutz geistigen Eigentums einem beträchtlichen Teil der vernetzten Weltbevölkerung nicht wirklich klar
  • und drittens: wer liest schon die Nutzungsbedingungen?

Ob sich am Paragraphen-Himmel düstere Wolken zusammenbrauen, konnte ich noch nicht feststellen. Jean-Marc Plueger, einer der Väter von Jiwa, gibt sich zuversichtlich: neben den Nutzungsbedingungen (die sämtliche Verantwortung auf den User übertragen) wirke auch „ein Fingerprint-Scan“ der von Usern deponierten Dateien Rechtsverletzungen entgegen (Interview mit Jean Marc Plueger).
Mein Rat: Geniessen wir Jiwa solange es Jiwa noch gibt.

Jiwa betont nicht nur den zentralen sozialen Aspekt, also das Teilen von Musik, sondern setzt gleichzeitig auch auf hohe Übertragungsqualität. Damit gehört die Musikplattform zu Web2-Produkten der neuen Generation. Dass Design der Website ist dafür von vorgestern: Orange-Pink-Lila mit Herzchen-Icons. Doch auch wenn die Jiwa-Macher die gesamte Gummibärenbande als Webdesigner angeheuert haben: Es lohnt sich allemal, der Website einen Besuch abzustatten. Zu meiner Verwunderung sind bereits sehr viele, auch weniger bekannte Künstler abrufbar (Nur die Metaller der düsteren Sorte lassen mehrheitlich noch auf sich warten… ev. werden sie vom Design der Seite abgeschreckt. )

5 Antworten zu „Exploratives lauschen TEIL2: JiwaMusic – die Web-Jukebox“

  1. päde sagt:

    Zu Ajax: Asynchronous Javascript And XML, ein Informatiker-Kunstwort (4LW), das eine Technik für Webseiten beschreibt. Damit wird eine Internet-Seite interaktiver, einzelne Elemente wie Bilder oder Listen sozusagen „backstage“ ausgetauscht werden. Dies im Gegensatz zu reinen HTML-Seiten, die jedesmal insgesamt von einem Server geladen werden – mit den bekannten Wartezeiten bzw. Lieferfristen dazwischen.

    Ein Ajax-Player dürfte nun gegenüber dem Flash-Player also einfacher an eigene Bedürfnisse anzupassen sein. Denn ein Flash-Player „ist was er ist“, während dem der Ajax-Player aus zig-Bestandteilen besteht, die sich ganz nach dem Gusto des Blogbetreibers anpassen lassen. Fragt sich nur: will man das?

    Hoffe, damit etwas Licht ins Dunkel gebracht zu haben. PS: Sidl, hast Du einen trackback in deinem Blog?

  2. mygoodlife.ch » Blog Archives » Ajax oder Flash-Player? sagt:

    [...] vom mediaoverkill fragte sich, was es mit diesem Ajax auf sich hat: Zu Ajax: Asynchronous Javascript And XML, ein [...]

  3. Matthieu sagt:

    … und wenn jemand Jiwa in Deutsch überstezen will, melden sie sich !! Wir möchten wirklich gern eine deutsche Version.

    - Matthieu, for JiwaMusic.

  4. The blog of JiwaMusic » Blog Archive » We speak spanish and german sagt:

    [...] to Felipe for the spanish version, and thanks to Andreas (you can check his blog here) for the german [...]

  5. michael sagt:

    does someone know how to integrate the jiwa player into a website ? I tried and some stuff with a so called “ code “ comes up, I tried to paste it into the website but it makes no sense ….also the playlists ..I dont seem to be able to make them …. when you integrate the player ina website – will the visitors of that website then be able to see my entire playlist there? thanks for a comment on by some progressed jiwa user here!
    michael
    keiranagency@gmail.com

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